15.12.2010: Stabhochsprung: Olympia-Qualifikationswettkampf beim ASV Köln

Beim ASV Köln hatte man sich viel Mühe gegeben, ein gutes Rahmenprogramm zum Olympia-Qualifikationswettkampf im Hochsprung zu bieten. Deshalb bewegte man sich am 18. Mai auf der ASV-Anlage nicht nur sportlich auf Top-Niveau...
Familie wird beim ASV Köln noch groß geschrieben, wenn man sich das aufwendige Rahmenprogramm anschaut: Mutti konnte morgens laufen gehen (das Kind einfach bei der Kinderbetreuung vor Ort abgeben), denn um 11 Uhr startete der 6. Toyota Frauenlauf und der schlängelte sich zehn Kilometer durch die Kölner Natur im ASV-nahen Stadtwald. Vati konnte solange einem Hobby frönen, dem angeblich alle Männer erlegen sind: Schnelle Autos ansehen und sich daran ergötzen -
deshalb durfte ein ausgestellter Original Toyota-Formel 1-Wagen nicht fehlen. Später konnte sich die Familie dann wieder zum Live-Auftritt von Comedian und Bambi-Preisträger Jörg Knör treffen.
So, aber da war doch noch was... Ja, richtig, die Olympia-Qualifikation im Stabhochspringen, der Grund, warum man sich versammelte. Der Wettkampf sollte nicht uninteressant werden, im Starterfeld waren viele Top-Springer vertreten:
Starterfeld:
Tim Lobinger, Danny Ecker, Björn Otto, Lars Börgeling, Alexander Straub, Richard Spiegelburg, Malte Mohr, Michel Frauen, Hendrik Gruber, Florian Sürth, Rafael Holzdeppe und der Amerikaner Jeff Hartwig
Zur Anlage ASV Köln:
Viele gute Namen, das ließ auf zahlreiche Qualifikationen zu Olympia 2008 hoffen - die Höhe liegt hierfür bei 5,70 m. Nicht unmöglich, wenn man den Standort der ASV-Anlage betrachtet: Durch die Aufstellung der Bäume und der besonderen Lage des Platzes erhält man beim Springen durch den Wind manchmal eine zusätzliche Unterstützung. So konnte bereits 1999 Tim Lobinger hier schon die 6-Meter-Marke und damit den Deutschen Rekord knacken.
Solche Höhen waren am vergangenen Sonntag nicht zu erwarten, trotzdem hatten sich viele Schaulustige um die Matten versammelt, denn das Besondere an diesem Wettkampf ist: Jeder kann die Athleten sehr nah erleben, sich fast direkt neben die Hochsprungmatte stellen. So entstand eine sehr familiäre Athomsphäre, die nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Sportler genossen.
Wettkampf-Verlauf:
Bundestrainer Jörn Elberding mutmaßte vor dem Wettkampf: "Ich glaube, das Ticket für Olympia werden heute drei Athleten einlösen können" und sollte mit dieser Prognose Recht behalten. Doch mit seiner Einschätzung, wer denn diese drei seien, nämlich, Tim Lobinger, Danny Ecker und Björn Otto, lag er zumindest bei einem falsch.
Denn während Björn Otto schon Fehlversuche bei 5,50 m verzeichnete und bei 5,60 m bereits ausschieden, sprang ein Sportler, den wohl wenige auf ihrem Zettel hatten, unerwartet in die Höhe: Richard Spiegelburg überwand ohne Fehlversuch auch die 5,60 m. Erst bei 5,70 m leistete er sich einen ungültigen Sprung, bei 5,80 m war dann Endstation.
Damit konnte Richard Spiegelburg den Wettkampf vor Tim Lobinger und Danny Ecker für sich entscheiden. Lobinger und Ecker erreichten die gleiche Höhe von 5,70 m, hatten aber hierfür mehr Fehlversuche benötigt.
Sonderlich unglücklich konnte der Bundestrainer nicht sein über dieses Ergebnisse: Drei Startplätze im Stabhochspringen sind zu Olympia 2008 für Deutschland zu vergeben, die drei Kandidaten stellen sich somit von selbst auf. Elberding: "Sonst gibts bei diesem Thema immer Ärger, aber das ist mein Job."
Interview mit Tim Lobinger:
Sind sie mit dem zweiten Platz zufrieden?
Das ist jetzt das Erste mal seit
Langem, das ich hier in Köln verloren habe. Letztens habe dreimal hintereinander gewonnen, zum Beispiel beim Springen für die Krebsstation Köln. Das war ein offizieller Wettkampf, hatte aber mit Spaßcharakter.
Insofern bin ich jetzt traurig, freue mich aber über meine Höhe, denn 5,70 m ist eine Überraschung, das hätte ich nicht gedacht. Denn das ist jetzt erst die dritte Woche, in der ich wieder hochspringen kann nach der Achillessehnen-Verletzung. Da hatte ich mir im Idealfall 5,70 gewünscht - das es direkt beim ersten Mal geklappt hat, war super! Somit hat sich die Reise zurück in die Heimat auf jeden Fall gelohnt! (lacht)
Macht es mehr spaß hier zu springen als in einem Stadion?
Es ist unfair, das so direkt zu vergleichen. Hier herrscht eine sehr familiäre Stimmung, das liegt nicht jedem so, denn manch einen lenkt das ab. Bei mir ist das glücklicherweise nicht so, ich find es entspannend. Ich konnte heute zum Beispiel zwischen den Sprüngen mit meinem Patenkind quatschen, das ich lange nicht mehr gesehen habe. Außerdem trifft man viele alte Bekannte.
Etwas schade war heute trotzdem die Sache mit dem Wetter: Natürlich passt blauer Himmel noch besser zum Stabhochspringen, dann riecht man auch die Bratwurst in der Luft. Unter'm Strich buche ich hier aber die Veranstaltung für mich als Erfolg.
Hat denn auch der für diese Anlage berüchtigter Wind beim erfolgreichen Springen etwas geholfen?
Heute hätte mir wohl Rückenwind oder gar kein Wind mehr geholfen. Das war heute eher ein Roulettespiel, man musste immer hoffen, das nicht plötzlich doch noch eine Bö gegen einen bläst. Daher war der Wind heute eher hinderlich.
Sind sie überrascht über die Leistung der Konkurrenz?
Unser Bundestrainer hat ja eine gute Vorhersage gegeben: Drei schaffens heute. Richard Spiegelburg hat mich etwas überrascht mit seinem Serie ohne Fehlversuch, aber das freut mich auch wirklich, weil er soviele Probleme hatte in den letzten Jahren und trotzdem so fleissig weitertrainiert hat. Deshalb gönne ich ihm hier den Sieg und die Norm mit dem Olympiaticket.
Nach den übersprungenen 5,70 m hätten sie die 5,75 m anvisieren können. Warum haben sie vorgeschlagen, dass sie alle diese Höhe weggelassen und direkt 5,80m auflegen lassen?
Die 5,75 m werden viele in Deutschland noch springen, die wird keine Rolle mehr spielen. Danny Ecker und mir ging es um eine gute Höhe, nicht zwingend um den Sieg. Natürlich ist es immer schön zu siegen, aber da der Richard uneinholbar geführt hat, wär für ihn die 5,75 m sinnlos gewesen und Danny und ich waren einfach daran interessiert, die 5,80 m anzugreifen.
In einem Wettkampf wie diesen müssen die Athleten lange warten, bis sie wieder an der Reihe sind. Nervt das auch manchmal, es war ja auch nicht sonderlich warm...
Das ist natürlich anstrengend, man muss sich immer wieder warm machen. Ich versuche mich zwar immer mal wieder ablenken, es wäre aber definitiv besser, kürzere Pausen zu haben. Und etwas mehr Sonne wäre heute auch besser gewesen... (lächelt)
Trotzdem tragen Sie seit Ihrem zweiten Spring eine Sonnenbrille...
(lacht) ...hat sich nicht gelohnt, das stimmt! Aber damit bin ich beim zweiten Spring nach einem schlechten ersten Versuch erfolgreich gewesen, deshalb habe ich sie einfach angelassen. Außerdem hatten wir ja am Anfang eine halbe stunde einen aufgerissenen Himmel, aber leider hat das nicht gehalten.
Text: Lucas Schäfer