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14.03.2007: Gewalt in der Kreisklasse

Schiris in Angst

Immer häufiger kommt es zu gewaltätigen Übergriffen auf Schiedsrichter. Man hat mittlerweile den Eindruck, dass der "Mann in Schwarz" zum Freiwild erklärt und gerne gejagt wird.

Schiedsrichter auf der Flucht: Bis auf die Autobahn jagten Spieler einen Referee nach einem Kreisklassen-Kick. Sogar per Ausbremsmanöver versuchten sie anschließend ihren Sündenbock zu stellen. Was wie eine Hollywood-Filmszene klingt, war tatsächlich das Ende eines Arbeitstages für einen Schiedsrichter im Fußballkreis Köln. Drohungen und Verfolgungen gegen Unparteiische in unteren Ligen stehen offenbar an der Tagesordnung. Hat die Gewalt die Amateurklassen tatsächlich im Griff? Müssen Schiedsrichter Angst haben, wenn sie am Wochenende ihrem Hobby an der Pfeife nachgehen?

Eine Antwort auf die Frage gibt Jörg Nähle. Der 31-Jährige strahlt Gelassenheit aus, wenn er sonntags im Schiri-Dress mit Ball und Pfeife zum Anstoßpunkt schreitet. Seit 13 Jahren leitet er Spiele im Fussballkreis Lippstadt. Er ist einer von mehr als 80 000 Schiedsrichtern in Deutschland. „Klar geht es manchmal etwas hitziger zu“, berichtet er. Ernsthaft bedroht habe er sich jedoch bislang noch nie gefühlt. „In unserem Kreis gibt es damit eigentlich null Probleme“, sagt Nähle. Tatsächlich geht es in ländlicheren Regionen oftmals weniger aggressiv gegen den Unparteiischen zur Sache. Das bestätigt auch Michael Beitzel. „Auch bei uns ist es auf dem Land relativ ruhig“, erklärt der Verbandslehrwart des Fußball-Verbandes-Mittelrhein (FVM).

Eindeutig hingegen war die Sachlage bei einem Spiel einer vierten Mannschaft eines Oberligavereins. Nach einer Rangelei sprang ein Spieler mit beiden Beinen voraus in die Brust des Gegenspielers. Nachdem die gegnerische Mannschaft danach das Weiterspielen verweigerte, brach der Schiedsrichter das Spiel ab. Der Übeltäter wurde mit einer achtmonatigen Sperre und einer Geldstrafe belegt.

Der 22-jährige Sportstudent Jan, der das Spiel leitete, steht Woche für Woche als Unparteiischer auf den Fußballplätzen der Region Steinfurt. Trotz der geringen Aufwandsentschädigung von 18 Euro pro Spiel leitet er gerne Fußballspiele. Im gleichen Atemzug klagt er aber auch über die auftretenden Probleme.

„Bei Spielen von den uns bekannten Problem-Vereinen kann man fast schon davon ausgehen, dass man von Spielern angepöbelt und nicht selten sogar massiv bedrängt wird.“

Deshalb müsse man ein autoritäres, gleichzeitig aber auch kollegiales Auftreten an den Tag legen. Es bringe nichts, aggressive Spieler mit einer Kartenflut zu belegen und auf der anderen Seite ängstlich zu wirken und nicht voll hinter seinen Entscheidungen zu stehen. „Besser ist es, mit den Spielern auf einer Ebene zu kommunizieren, dennoch aber keine Zweifel daran zu lassen, wer der Chef auf dem Platz ist.“

Problematisch ist die Situation vor allem in Großstädten: Ob ein nach dem Spiel bis zur Straßenbahn verfolgter und dort zusammengeschlagener Schiedsrichter, oder Kung-Fu Tritte gegen den Referee direkt auf dem Platz: Von solchen und ähnlichen Fällen kann Helmut Friebertz schier endlos erzählen. Der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses Köln zeigt sich besorgt über den Trend zur Gewalt auf den Sportplätzen nicht nur in Köln, sondern in den Großstädten allgemein. „Wir haben kaum einen Spieltag, an dem es keinen Spielabbruch gibt.“ Allein in der vorletzten Saison gab es in Köln mehr als 200 Spruchkammerverhandlungen. Schiedsrichter-Nachwuchs für den städtischen Bereich zu finden, ist mittlerweile schwer. Kaum jemand ist noch bereit, als Zielscheibe von Frust und Aggression zu dienen. „In den letzten zehn Jahren hat es einen deutlichen Anstieg der Gewaltbereitschaft gegeben“, stellt er fest. Ein Patentrezept für Lösungen hat auch er nicht. „Letztlich ist es ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Zustandes in Großstädten“, stellt Friebertz fest. Ein ernüchterndes Resümee.

 

Text: Hubertus Rößler und Andreas Rickmann.

Text: Spoho

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