Du bist hier: sportalis Köln  >  Artikel  >  Parkour erobert deutsche Großstädte

15.12.2010: Neue Trendsportart

Parkour erobert deutsche Großstädte

In allen deutschen Großstädten werden immer häufiger junge Leute beobachtet, die Wände, Bänke, Treppen, Büsche oder Geländer in ihren Weg durch die Stadt leger durch gezielte Sprünge oder andere akrobatisch anmutende Bewegungen integrieren. Diese Läufer nennen sich selbst „Traceure“, die innerhalb ihres Sports Parkour lediglich die Fähigkeiten ihres Körpers nutzen, um künstliche oder natürliche Hindernisse spielerisch zu überwinden.

 

Parkour ist in Deutschland mittlerweile schon kein neues Phänomen mehr, die geschätzte Zahl der aktiven Traceure liegt bei ca. 2000, die sich nur aus den Anmeldezahlen der bisherigen Parkour Workshops erheben lassen. Dabei liegt die Dunkelziffer sogar bei ca. 6000 Bewegungsenthusiasten, da Parkour keine Vereinsstruktur aufweist und auch gar nicht daran interessiert ist eine solche aufzubauen. Vielmehr halten die einzelnen Traceure oder kleine Gruppen Kontakt zu anderen Gleichgesinnten innerhalb von Online Communities oder eigener Webseiten, deren Zahl sich im letzten Jahr bereits verdoppelt hat und weiterhin stetig anwächst.

Parkour ist keine neue Erfindung. Es war immer schon da, bereit ausgelebt zu werden. Dennoch kann man sein Aufleben in Frankreich unter David Belle festlegen. Sein Vater hatte als Kindersoldat in Vietnam gekämpft und sich dort bereits früh mit effizienten Fluchtmethoden auseinandergesetzt. Sein Sohn David entwickelte aus diesen Elementen des Laufens, Kletterns, Springen und Balancierens das Parkour und übertrug es auf die urbane Hochhauslandschaft am Rande von Paris.


Traceure üben die Kunst der effizienten Fortbewegung, die eine Kombination aus Körperbeherrschung und Geist als Basis nimmt, und damit eine Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und der Umwelt sucht. Anstatt blind durch die Stadt und Natur zu laufen, werden vorgegebene Hindernisse zum Anlass genommen, diese möglichst elegant und mit einer fließenden Leichtigkeit zu überwinden. So entwickeln die Traceure für sich nach und nach ein neues Konzept ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen, ganz im Sinne von David Belle. Damit schaffen sie sich völlig neue Möglichkeiten ihr Freiheitsgefühl auszuleben, ihre eigene Leistungsfähigkeit auszubauen und ihre Umwelt mit neuen Augen zu sehen. Oder kurz gesagt: Nimm Dir einen Stadtplan und lege zwei Punkte fest. Nun zieh einfach eine Linie von A nach B und versuche diese Linie zu laufen. Ganz egal welche Hindernisse sich Dir in den Weg stellen, denn außen herumlaufen ist langweilig, denn dann würde der „Flow“, die fliessende Bewegung, gebremst.


Ein wichtiger Bestandteil der Parkour-Philosophie ist, dass es keine Wettkämpfe gibt. Jeder kämpft nur gegen das Hindernis und seine körperlichen Grenzen. Das Miteinander hat bei den Traceuren einen viel höheren Stellenwert. Man motiviert und fördert sich untereinander, tauscht Tipps über Locations und Techniken aus, oft auch in Foren mit selbstgedrehten Videoclips. Höchstes Ziel ist es, mit dem Hindernis zu verschmelzen, also jenes in einer fließenden Bewegung mit voller Körperkontrolle und minimalem Aufwand zu überwinden. Auf Showeffekte wie Saltos und halsbrecherische Stunts wird nicht abgezielt, denn Präzision und Effizienz stehen im Mittelpunkt der Parkour-Philosophie und überflüssige Drehungen verschwenden nur körpereigene Ressourcen.


Parkour wird oft falsch interpretiert oder in der Presse falsch dargestellt. Akrobatische Einlagen gehören nicht zu Parkour. Derartige Bewegungen werden nur dann eingesetzt, wenn sie die effizienteste Weise sind sich fortzubewegen, nicht der Akrobatik wegen. Der ausdrückliche Verzicht auf Wettbewerbsgedanken und Show hilft Größenwahn bei der Ausführung und somit Verletzungen zu vermeiden. Sobald Akrobatik-Elemente als spektakuläre Showeffekte zum Einsatz kommen, wird von „Freerunning“ gesprochen, bei dem im Gegensatz zu Parkour der Fokus auf die Kreativität in der Bewegung gesetzt wird.


Auch die Popkultur ist auf Parkour aufmerksam geworden und hat ihn beispielsweise für Verfolgungsjagden im James Bond Film „Casino Royale“, Musikvideos der Trendsetterin Madonna oder Nike Werbespots für ihre Zwecke entdeckt. Doch die Kommerzialisierung von Parkour widerspricht den Grundwerten David Belles, daher grenzen sich die Traceure bewusst von dem Ausverkauf ihrer Sportart und lehnen wettbewerbsorientierte Veranstaltungen ab.

Die Gründe sich aktiv für Parkour zu entscheiden sind zahlreich. Parkour lebt davon, dass man eigentlich nur ein Paar Turnschuhe und ein Hindernis braucht, und schon kann es losgehen! Die Bewegungsenthusiasten kommen aus allen Bevölkerungsschichten, die meisten von ihnen sind zwischen 13 und 25 Jahren alt mit mittlerweile 10% weiblichem Anteil. Viele besitzen sportlichen Hintergrund aus Kampfsportarten, Klettern, Ausdauersport oder Kunstturnen, was sich in Parkour perfekt vereinen lässt. Nicht wenige von ihnen erleben den ersten Kontakt mit Parkour wie der schwedische Traceur Alex Segerstein: „Als ich Parkour für mich entdeckte, verblasste alles andere. Das war genau wonach ich gesucht habe. Eine neue Art mich zu bewegen.“. Die mentale Seite von Parkour hilft Selbstbewusstsein zu stärken, da es Körperbeherrschung, Disziplin und geistige Stärke erfordert. Die Grundtechniken können rasch erlernt werden, daher ist der Einstieg recht einfach. Je nach Motivation trainieren die Traceure alleine oder in kleineren Gruppen bis Bewegungsabläufe im Detail sitzen. Das gemeinschaftsbildende Element spielt eine wichtige Rolle für jeden Traceur. Man tritt nicht gegeneinander an, sondern versucht sich mit Tipps zu Höchstleistungen zu motivieren. Der einzige Gegner ist das Hindernis selbst.

Das Verletzungsrisiko ist relativ gering, da die philosophische Seite von Parkour Sicherheit über Wagnis stellt. „Lieber einen kleinen Sprung perfekt ausführen, als einen großen Sprung gerade noch schaffen“ (Andreas Kalteis, Traceur aus Österreich). Auch innerhalb des Schulsports wird Parkour als Möglichkeit entdeckt, Computer Kids wieder zurück zur eigenen körperlichen Ertüchtigung zu bringen. Die Bewegungsabläufe ähneln bekannten Mustern aus Videospielen und so ist die Resonanz von teilnehmenden Schulen bisher hervorragend.
In den Workshops wird Parkour nicht nur einem größeren Publikum bekannt gemacht und aus dem Nischen-Dasein geholt. Ein wichtiger Schritt ist den manchmal zu übermütigen Neuanfängern, die durch den Action-Charakter der Medien eine fehlgeleitete Vorstellung von Parkour haben, von Anfang an die richtige Grundtechnik und Philosophie weiterzuvermitteln. In Workshops wird darauf Wert gelegt, keine der Superhelden auszubilden, sondern individuell eine gesunde Selbsteinschätzung, Umgang mit Angst und Integration der Parkour-Philosophie zu fördern und dem Geist von David Belle gerecht zu werden und das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren: Mit wachem Verstand über Wege nachdenken um Hindernisse zu überwinden, sei es geographisch, zwischenmenschlich oder beruflich.

 

Links zum Thema Parkour:

www.parkour.de
www.parkour.net
www.parkourone.de
www.parkour24.de

 

Um wie viel Uhr ist Parkour Training in HDH?
Auch in den Ferien?

von:Anonym (20.07.2011 17:37) | Antwort
Trainer/ Verein

Giebt es jemanden der mit mir in Bocholt Trainieren kann? Oder weiß jemand ob esin Bocholt einen Verein giebt? Ich würde gerne damit anfangen aber ich weiß nicht wie. Bitte meldet euch bei mir!

von:Sternchen (28.03.2010 13:12) | Antwort Antworten ansehen [1]
um was es da geht

coole sache

von:LEON (15.02.2010 15:40) | Antwort Antworten ansehen [1]
 

Jo in Köln war bislang echt der beste psp. hoff der kommt die jahre noch mal hier hin!

von:Jivan100 (25.09.2009 23:00) | Antwort
partner

gibt es in Borken oder Bocholt jmd. der mit mit trainiert.Ich selber komme aus Borken.

von:Düsi (24.09.2009 14:42) | Antwort
Training

Hallo!
Kann mir jemand sagen, ob es eine Trainingsgruppe in Bad Homburg gibt. Würde mich über eine Info freuen. Mo

von:Maurice Bienkowski (13.10.2008 22:21) | Antwort
 

Endlich mal ein sehr guter Bericht über Parkour!
Großes Lob, so was gibt es fast nirgendwo mehr mit soviel richtigkeit!
:)

von:Anonym (28.09.2008 20:17) | Antwort
Bericht

Oh ein schöner Bericht über Parkour ;) gibts das noch.
Klasse Sportalis sehr geil und Danke ..
Liebe Grüße Sven
www.ParkourFreiburg.de

von:Sven Feix (04.09.2008 19:59) | Antwort
Bitte Beitrag eingeben:
Ihr Name    
Ihre Email    
Betreff 
Beitrag*
Kategorie auswählen

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spam-Abwehr.

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Login                    Passwort