Du bist hier: sportalis Köln  >  Artikel  >  Oscar Pistorius

15.12.2010: Video der Woche 35/07

Oscar Pistorius

The fastest thing on no legs. Was verbirgt sich hinter dem Titel? Oscar Pistorius, 20-jähriger Südamerikaner, möchte als Behinderter unbedingt bei Olympia mit dabei sein. Bei den Paralympics hat er keine Konkurrenz mehr. Größter Streitpunkt: seine Prothesen.

 

An seinem Start aus den Startblöcken muss er noch ein wenig üben. Zuviel Zeit verliert er dabei auf seine Kontrahenten. Das Kurvenlaufen gehört ebenfalls nicht unbedingt zu seiner Stärke. Doch auf den letzten hundert Metern schlägt seine Stunde und er prescht mit einer Urgewalt nach vorne, die seines Gleichen sucht. Seine Rekordzeit über 200m liegt bei 21,58s, schneller als die schnellste Frau bei der Leichtathletik WM in Osaka. Wer sich in der Leichtathletik auskennt wird sofort erkannt haben, dass es sich dabei um keine Fabelzeit handelt. Also, was macht ihn so interessant? Oscar Pistorius, ein 20-jähriger Südafrikaner, hat keine Beine.

 
Er nennt sich selbst: The fastest thing on no legs. Problemlos fährt er Auto und Motorrad, er spielt Wasserball und kann sogar tanzen -  und das alles ohne Beine. Seine J-förmig geschwungenen Prothesen helfen ihm dabei, unglaubliche Zeiten auf der Bahn zu laufen. Cheetah ( engl. für Gepard ) heißen die aus Karbonfaserplatten und Kunstharz bestehenden Prothesen, da sie wie die Hinterläufe von Geparden geschwungen sind.

 
Ob er seinen Traum, endlich bei Olympia mitlaufen zu dürfen, erfüllt bekommt, hängt nicht von ihm ab. Die Meinungen der Fachwelt über ihn sind stark gespalten. Die einen sagen ihm einen Wettbewerbsvorteil durch seine geschwungenen Prothesen nach, die anderen finden es diskriminierend ihn nicht bei Olympia an den Start gehen zu lassen. „Viele paralympischen Leistungen seien besser als die der weiblichen Olympioniken“, argumentiert der südafrikanische Sportwissenschaftler Shuaib Manjra gegenüber dem Spiegel und stellt sich damit ganz klar hinter den Wunsch seines Landsmannes. In der Diskussion fallen Ausdrücke wie Techno-Doping und ein Funktionär von der IAAF analysiert, dass er ja auch nicht mit Fußgelenksverletzungen oder Übersäuerung der Wadenmuskulatur zu kämpfen hätte. Aus diesem Grund werden seine Prothesen im Moment von dem Biomechanikpapst Gert-Peter Brüggemann von der deutschen Sporthochschule in Köln auf eventuelle Vorteile untersucht.

 
Pistorius sieht die ganze Debatte um ihn relativ gelassen, scheint aber allerdings manchmal davon genervt zu sein: „Wenn die Kritiker wollen, können sie sich ja auch mal die Beine abnehmen lassen und sehen, ob sie schneller werden“. Ob er nun zu den behinderten oder nicht behindert zählt, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen oder Monaten entscheiden. Er wird auch weiterhin für seinen großen Traum laufen.

 

Text: Julian Zipp

Login                    Passwort