15.12.2010: Sportartenvorstellung Australian Football

In Australien füllt die Sportart riesige Stadien - in Deutschland gibt es fünf Klubs. Trotzdem oder gerade deswegen stellt Tobias Hoffmeister in seinem Feature Australian Football vor.
„Come on, T-Rex! “, „nice skill, Dizzy! “, “take him down, Luke!” Seltsame Anfeuerungen schallen über die Wiesen in Ehrenfeld direkt neben dem Fernsehturm. Es ist Samstagnachmittag, die Sonne scheint unerbittlich auf die zum Teil schon freien Oberkörper. Jeder gibt sein Bestes, jeder feuert den anderen an, jeder unterstützt seinen Kameraden bei einer brenzlichen Situation. Gerade kicken sich die Trainierenden in einem großen Dreieck einen roten ovalen Fußball zu. Laufen, Kicken und Fangen gilt jetzt für jeden einzelnen. Sollte einmal der Ball auf den Boden fallen, kommt sofort ein Mitspieler herbei geeilt und steht zur Ballentgegennahme bereit, um den Spielfluss während dieser Übungseinheit zu wahren. Dies geschieht aber nicht wort- und emotionslos, sondern in einer außergewöhnlichen Form gegenseitiger Motivation. Jeder einzelne wird regelgerecht zur persönlichen Höchstleistung gepusht.
Diese Auffassung von Mannschaftsgeist ist ein zentraler Bestandteil im Australian Football. Im Mittelpunkt steht nicht der einzelne sondern das Kollektiv. Australian Football ähnelt von der Struktur her dem allgegenwärtig bekannten Rugby. Wie in so vielen ehemaligen britischen Kolonien wurde auch diese typisch britische Sportart von den Kolonialherrschern im 19. Jahrhundert in die Kolonie Australien übertragen. Für Cricket-Spieler gedacht, die sich während ihrer Winter
pause auf diese Art fit halten sollten, etablierte sich die Sportart schnell zu einem bis heute beliebten Volkssport.
Die Spieler der Rheinland Lions, die ihre Heimspiele allesamt in Köln austragen, bereiten sich auf das wichtige Spiel gegen die Kangaroos aus München vor. Bei noch vier ausstehenden Spielen befinden sich die Domstädter auf dem zweiten Tabellenplatz eben hinter den Münchnern. Fünf Teams spielen derzeit in der Australian Football League Germany. Neben Köln und München gibt es auch Teams in Hamburg, Berlin und Frankfurt. Es wird in Hin- und Rückspielen gespielt. „Die Heimspiele tragen wir alle auf unserem Trainingsgelände, der großen Wiese neben dem Fernsehturm, aus“, erklärt Peter „Pete“ Wiens von den Lions. Für die Finals in Köln, die die beiden Erstplatzierten gegeneinander bestreiten, ist ein Umzug auf die Poller Wiesen geplant.
Rob, der Trainer der Lions, demonstriert auf Englisch die nächste Einheit, in Australian Football-Sprache den nächsten Drill. Die versammelte Mannschaft steht symbolträchtig dicht beieinander Arm in Arm vor ihm und lauscht seinen Worten. Zweikampfverhalten steht
im Mittelpunkt. Der Verteidiger probiert einen angreifenden Gegenspieler so zu blocken, dass sein Mitspieler nicht von ihm gepackt werden kann. Auch diese Übung passiert nicht in mehreren Grüppchen, sondern die gesamte Mannschaft versammelt sich um die Protagonisten und feuert sie an.
Im Unterschied zum Rugby muss der Ball geschlagen oder getreten werden. Werfen ist nicht erlaubt. An den beiden Enden des ovalen Spielfeldes, welches bis zu 185m lang sein kann, befinden sich je drei Tore. Ein Treffer durch das mittlere Tor bringt sechs Punkte, durch die beiden Äußeren je einen.
„Mit ein bisschen Glück bin ich sogar bald deutscher Nationalspieler und nehme am 3-Nations-Cup in Berlin teil“, erzählt Wiens. Bei ungefähr 100 aktiven Australian Football-Spielern, der Rest ist australischer oder britischer Herkunft, sind die Chancen relativ hoch den Bundesadler einmal auf der Brust zu tragen.
Text: Tobias Hoffmeister
Bilder: Stefan Dick
Text: Spoho