15.12.2010: Mit dem Rad fit durch den Alltag

Das in Deutschland ein allgemeiner Bewegungsmangel herrscht, ist kein Geheimnis mehr. Diesem Problem kann man allerdings schon mit einfachen Mitteln entgegenwirken: Das Fahrrad mehr in den Alltag integrieren heißt die Zaubeformel und war einer der Diskussionspunkte auf dem Nationalen Radfahrkongress in Berlin.
Vor dem Termin im abendlichen Fitnessstudio oder Verein geht der Kampf gegen den inneren Schweinehund nur allzu oft verloren. Daher werden andere Wege gesucht um in Form zu bleiben: Auf dem Nationalen Radfahrverkehrskongress am 7. und 8. Mai in Berlin wurde das Potenzial des Fahrrades im Alttagsgebrauch diskutiert.
Einer Schätzung des ADFC nach (Allgemeiner Deutscher Fahhrad Club) könnten von den rund 40 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland bis zu sieben Millionen derzeitige Autofahrer aufs Fahrrad umsteigen. Der ADFC geht dabei von Arbeitswegen bis zehn Kilometer aus. Eine ideale Trainigsstrecke also. Schon heute kommen knapp vier Millionen Beschäftigte mit dem Fahrrad zur Arbeit.
Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO bekräftigt den Gebrauch von dem Fahrrad im Alltag: Der Bewegungsmangel könne laut WHO nur dann wirksam und dauerhaft bekämpft werden, wenn einfache Bewegungsformen wie das Laufen und Radfahren mindestens fünfmal die Woche 30 Minuten lang betrieben werden. “Der Grundbedarf an Bewegung ist somit schon auf den Alltagswegen erledigt“, sagt ADFC-Gesundheitsreferent Armin Falkenhein.
Daher stellte Falkenhein auf dem Nationalen Radverkehrskongress die von ihm mitentwickelte Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ vor. Zusammen mit der AOK – Die Gesundheitskasse und dem Bundesverkehrsministerium wirbt der ADFC dabei jährlich in rund 16.000 Betrieben dafür, den Arbeitsweg als Fitness-Strecke zu nutzen. In diesem Jahr soll die Aktion am 1. Juni starten.
Die Niederlande zeigen dazu, wie es gehen kann: Laut einer aktuellen Studie, sind Beschäftigte, die mindestens drei Kilometer an mindestens drei Tagen in der Woche mit dem Rad zurücklegen, im Schnitt einen Arbeitstag weniger krank, als nicht radelnde Beschäftigte. Je länger die Strecke und je häufiger das Fahrrad genutzt wird, desto niedriger ist die Krankheitsquote. Es profitieren somit nicht nur die Arbeitnehmer: Legt man das oben genannte Potenzial von sieben Millionen möglichen Pendlern per Rad zugrunde, sparen Arbeitgeber rund 1,7 Milliarden Euro Kosten durch geringere Arbeitsausfälle. Dazu kommen die weiteren Einsparungen im Gesundheitssystem.
Doch um dieses Projekt noch erfolgreicher umzusetzen, könnte auch die Regierung mehr für das Fahrrad tun. “Italien geht hier mit gutem Beispiel voran und fördert seit Ende April den Kauf von Fahrrädern mit einem 8,75 Millionen Euro starken Anreizsystem.” kommentiert ADFC-Bundesvorsitzender Karsten Hübener die Forderung an Berlin. Aus dem Umweltministerium erhalten die Fahrradkäufer bis zu 30 Prozent vom Verkaufspreis erstattet, maximal 700 Euro. Der ADFC hatte so ein Anreizsystem bereits im Rahmen des ersten Konjunkturpakets für Deutschland gefordert. Es gibt also Hoffnung, dass das sportlich vielversprechende Forbewegungsmittel Fahrrad noch weitere Verbreitung finden wird …
Text: Pressemitteilung