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15.12.2010: Quatsch erzählen, bis der Schmerz vergessen ist

Kids Aktiv

Die Ferienfreizeit „Kids Aktiv“ in Köln betreut Kinder mit lockerem Umgangston und pädagogischem Hintergrund.

 

 

 

 

Nach dem dritten Sieg in Folge bekommt sogar der zehnjährige Mark ein schlechtes Gewissen. Die dritte Runde Schwänzchenfangen ist soeben zu Ende, da kommt der kleine Junge zum Betreuerteam und fragt schüchtern: „Soll ich die anderen auch mal gewinnen lassen?“ „Klar, wenn du das möchtest“, antwortet Andreas Hense, Mitarbeiter der Kinder- und Jugendsportschule (KJS) Köln. Auf Sozialverhalten und Teamgeist wird bei der Ferienfreizeit „Kids Aktiv“ besonders großen Wert gelegt. „Die Kinder sollen Spaß an unserem Programm haben“, sagt auch der zweite Betreuer der Gruppe, Marlon Pohl.

 

Ein Blick genügt, um den angesprochenen Spaß zu spüren. Schon beim Betreten des Schulhofes der Katholischen Grundschule Ossendorf werden die Betreuer von Kindern umringt, die es kaum erwarten können in die Turnhalle zu kommen. Während der Tagesvorbesprechung in der Halle klingelt unentwegt die schrille Türklingel. Die beiden Betreuer sprechen dennoch ruhig und gelassen das Programm des Tages durch, was heute aus diversen Fang- und Ballspielen und zum Abschluss Völkerball besteht. Dabei wird versucht, von einfacheren Spielen auf ein Komplexeres zu steigern, ohne die Kinder zu überfordern. 

Kaum sind die Türen der Halle geöffnet, strömen auch schon die Kinder herein und jeder versucht sofort einen der begehrten Bälle zu bekommen. Die Schüler dreier Grundschulen aus Ossendorf nehmen gemeinsam an der Freizeit teil, die wenigsten kennen sich untereinander, aber das mindert die Begeisterung nicht im Geringsten. 

 

Das eigentliche Programm beginnt mit einer kurzen Einführung, die Themen orientieren sich am Tagesprogramm, das jeden Tag neue Schwerpunkte setzt und dabei sowohl diverse Ballspiele als auch Abenteuerturnen und sogar Sumoringen beinhaltet. Heute geht es um Gruppenverhalten und die gegenseitige Hilfe bei Spielen, die man nur gemeinsam gewinnen kann. Die Kinder hören aufmerksam zu, bringen sich auch immer wieder mit ein und erklären zum Beispiel die Spiele, wenn sie sie bereits kennen. Moritz (10) beschreibt das Spiel „Riesenkrake“, worauf bei den Kindern Begeisterung ausbricht. Mit viel Geschrei und Gekreische, einem enormen Lärmpegel, geht das Fangspiel los. Die beiden Betreuer legen besonderen Wert darauf, dass alles fair zugeht, halten sich aber ansonsten eher zurück. „Die machen das schon ganz gut alleine“, sagt Sportstudent Hense. „Wenn sie sich selbst organisieren, lernen sie außerdem noch viel mehr, als wenn ich alles bestimme.“ 

 

Ferienfreizeiten werden in so gut wie allen deutschen Städten angeboten, da Eltern selten die Zeit haben, ihr Kind über sechs Wochen in den Sommerferien ganztags zu betreuen. Während die meisten Freizeiten von privaten Veranstaltern angeboten werden, arbeitet die KJS Köln sehr eng mit Grundschulen zusammen und nutzt deren Hallen und Möglichkeiten. „Die Kinder kommen so mit gleichaltrigen aus ihrem direkten Umfeld zusammen und die Kosten sind für Eltern und Schulen sehr gering“, benennt Hense die Vorteile. „Außerdem wollen wir die Kinder nicht nur beschäftigen, sondern ihnen vielmehr etwas beibringen und sie dazu motivieren, sich auch außerhalb des Sportunterrichtes mehr zu bewegen.“ Dazu tragen ganz sicher der lockere Umgangston und die unkomplizierte Art der Betreuer bei. Fast ausschließlich Sport- oder Lehramtsstudenten bilden die Teams, dadurch entsteht eine sehr entspannte Atmosphäre, von der  alle profitieren. So auch die siebenjährige Paula, die nach einem Sturz weinend zur Betreuerbank kommt und sofort „behandelt“ wird. „Das ist ja fast  nie was schlimmes“, meint „Dr.“ Pohl und verrät seine Behandlungsmethoden: „So lange Quatsch erzählen, bis der Schmerz vergessen ist.“

 

Der Tag endet mit einem großen Kreis, in dem sich alle Kinder versammeln und äußern dürfen, was ihnen gefallen hat und was nicht nach ihren Vorstellungen verlief. Auch die Betreuer fassen den Tag noch einmal zusammen und küren dann einen Spieler des Tages. Dies ist jedoch nicht das sportlichste oder erfolgreichste Kind, sondern einer der kleinen Sportler, der sich durch besonders positives Verhalten in der Gruppe ausgezeichnet hat. Die Chancen von Mark sinken schon nach der vierten Runde Schwänzchenfangen rapide. Verwirrt und etwas beschämt verfolgt er die Ermittlung des Siegers. Tatsächlich hat er schon wieder gewonnen. Aus Versehen.

 

Text: Sebastian Stenzel

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