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14.03.2007: "Booh- zum Glück wusste ich, wo ich bin"

Fußball im Ozean

Im Frühjahr 2006 segelten sieben Studenten der DSHS unter der Führung ihres Segel-Dozenten über den Atlantik. sportalis sprach mit Jan Plagmann, der seine Diplomarbeit über den Turn schrieb.

Es gibt verschiedene Routen, den Atlantik zu überqueren. Wann seid ihr von wo gestartet?

Zur Karnevalszeit sind wir von Frankfurt nach Antigua geflogen. Dann ging es weiter nach St.Marteen, eine kleine Antilleninsel. Die Insel ist zweigeteilt und eine französisch/niederländische Kolonie, auf der mit Euro bezahlt wird und sogar Karneval gefeiert wurde. Mitten in der Karibik mussten wir Jecken aus Köln also auf nichts verzichten.

Im französischen Marigot haben wir dann das Segelschiff übernommen. Nach einer Woche Gewöhnungszeit, machten wir uns mit dem Schiff vertraut, kauften Proviant und führten alle notwendigen Sicherheitschecks durch. Am 03.03.06 sind wir von dort aus in Richtung Azoren in See gestochen.

Wie ging es weiter?

Da auf direktem Weg zu wenig Wind war, mussten wir zunächst einen nördlichen Kurs anpeilen. Später bekamen wir den Wind auf die Nase und glichen unseren Kurs in Richtung Azoren an. Nur an einem Tag blieb der Wind aus und wir konnten bei 4000 Meter Wassertiefe sogar um das Schiff schwimmen. Die erste Woche hatten wir sehr gutes Wetter. Am achten Tag zog ein Sturm auf, der uns das Fock-Segel zerfetzte. Zum Glück hatten wir Ersatz an Board. Auf den Azoren machten wir einen kurzen Stopp und segelten dann weiter in Richtung Portugals Küste.

Warst du seekrank?

Ich glaube, jeder von uns war seekrank. Das gehört zum Segeln dazu. Eine Nacht lang hab ich durchgekotzt.

Innerhalb einer Crew gibt es eine geregelte Aufgabenverteilung. Wie sieht der Alltag an Bord aus?

Im Mittelpunkt steht der Wachplan, der die gesamte Aufgabenverteilung der Mannschaft organisiert. Das Schiff muss Tag und Nacht gesteuert werden, Anhalten geht nicht. Außerdem muss Ausschau nach anderen Schiffen oder schwimmenden Gegenständen gehalten werden, damit Kollisionen verhindert werden können. Auf jeden Wachdienst folgt eine mindestens sechsstündige Pause. Jeder hat somit seinen eigenen Rhythmus. Die Navigation wurde hauptsächlich von unserem Skipper Wolfgang Krause übernommen.

Mit dem Kochen haben wir uns abgewechselt. Wir haben beim Einkauf einen festen Proviantplan gemacht und so gab es pro Woche zwei Nudel-, zwei Reis-, zwei Kartoffel- und ein Cuscusgericht. Es war beschlossen, dass wir immer zusammen essen.

Welchen Proviant hattet ihr dabei?

An Bord gab es keine Kühlung, deshalb waren wir auf haltbares Essen angewiesen. Wir hatten 450 Liter Trinkwasser, 15 kg Reis, 15 kg Kartoffeln an Bord. Zudem viel Gemüse und Obst. Fleischgerichte konnten nur in den ersten Tagen aufgetischt werden.

So war es kein Wunder, dass der Traum vom "großen, reichhaltigen Mahl" nach zwei Wochen in jedem von uns wuchs.   

An Bord ist es schwer sich aus dem Weg zu gehen. Wie oft habt ihr Euch gestritten?

Richtig gestritten haben wir gar nicht. Zweimal gab es Diskussionen. Es ging darum, dass der Wechsel der Frühwache, also um acht Uhr morgens, immer sehr mühsam war und einige dann zu spät kamen. So musste die Frühwache (5 bis 8 Uhr) manchmal bis Viertel nach auf die Ablöse warten. Das war ärgerlich, doch die Konflikte konnten schnell beseitigt werden.

Gab es Langeweile? Was habt ihr dann gemacht?

Es gab viel Langeweile. Ein Bild zeigt Arne mit einem Walkman der apathisch ins Meer starrt - eine typische Situation. Aber irgendwann "fixt" einen die Umgebung an und löst eine wahnsinnige Faszination aus. Mitten auf dem Atlantik gibt es Vögel. Delfine sind mit uns mit geschwommen. Fliegende Fische hüpften an Bord. Einmal haben wir einen Fisch gefangen, der ist uns aber entwischt. 

Ich habe auf dem Turn viel gelesen. Außerdem haben wir ein Backgammon Turnier organisiert. Wenn das Wetter es zuließ, hieß es "Leinen raus" und wir badeten im Atlantik. Samstags konnten wir über Radio-Kurzwelle die Fußballkonferenz hören, das war ein großes Highlight.

Habt ihr an Board gefeiert? Wie sieht eine Party auf dem Atlantik aus?

Als die Hälfte unserer Atlantiküberquerung geschafft war, feierten wir ein Bergfest. Für jeden gab es ein Bier. Mehr Alkohol hatten wir nicht dabei.

Welche war die gefährlichste Situation?

Eine Situation, in der wirkliche Gefahr im Verzug gewesen wäre - gab es nicht. Als wir auf den Azoren ankamen, hatten wir beim Anlegemanöver viel Wind und kamen auch noch mit Legerwall, das heißt das Schiff steht zwischen Wind und Anlegesteg. Das war kritisch und aufregend. Nach drei Wochen war es das erste Anlegemanöver und nicht alle an Bord hatten Übung darin.
 

Und irgendwann saht ihr am Horizont die Küste von Portugal. Was waren deine Gedanken beim Anblick des Festlandes?     

Zuerst habe ich gedacht: Land in Sicht - wir sind am Ziel. Dann habe ich an die Seefahrer vor einigen hundert Jahren gedacht, die irgendwo Land entdeckten und nicht wussten, wo sie sind. Booh- zum Glück wusste ich, wo ich bin.

Text: Jutta Kühle

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