15.12.2010: Rutemöller bei der KB Borussia Hohenlind

Erich Rutemöller leitete ein Training der 1.Körperbehinderten Fussball Mannschaft Deutschlands. Einfühlsam motivierte er die Kicker und spornte manche zu Höchsleistungen an.
Der Ball rollt wieder und das nicht nur in der höchsten deutschen Spielklasse. Auf der Großsportanlage Bocklemünd trainiert die KB Borussia – Hohenlind. Das Akronym KB steht hierbei für Körperbehindert. Zwei mal pro Woche zitiert der Trainer die Spieler zu konditionellen Laufeinheiten, feilt mit kleinen Übungsformen an ihrer Technik und erklärt taktische Ausrichtungen bei einem abschließenden Kleinfeldspiel. Doch dieses Training sollte für die Kicker was ganz besonderes werden. Marcel Mougeot (24), Kapitän der Mannschaft, hatte ermöglicht, dass Erich Rutemöller, aktueller Ausbildungsleiter für die Erlangung der Fussballlehrerlizenz beim DFB und ehemaliger Trainer des FC Kölns, eine Trainingseinheit gestaltet:
Von Seiten der Spieler wird dieses soziale Engagement mit einer unerwartet hohen Trainingsbeteiligung gedankt. Allerdings müssen die Spieler zuerst zum Konditionsrapport antreten, bevor sie in den Genuss rutemöllscher Verbalergüsse kommen. Keineswegs avanciert die Konditionseinheit zum Nebenschauplatz, da legen alle Trainer bekanntlich viel Wert drauf, auch wenn es manche Spieler anders beurteilen. Ausgepowert und mit den Kräften am Ende, schleppen sich manche Spieler auf den Rasen und die Trainer übergeben die Kompetenzen an Herr Rutemöller. Wie wird er das Training gestalten? Wird er viel von den Jungs erwarten?
Mit einer schwarzen Trainingshose und grauem Wollpullover gekleidet, versammelt er die Spieler um sich und gibt genaue Instruktionen zur anschließenden Übung. Interessiert verfolgen die Spieler seine Ansprache. So trainiert also ein ehemaliger Bundesligatrainer?
Besonders hervorzuheben ist die Art und Weise, wie Rutemöller mit den Kickern umgeht. Weder kritisiert er noch schreit er rum. Mit ruhiger und sachlicher Stimme erklärt er den Männern, die sich im Kreis versammelt haben, die nächste Aufgabe. Berührungsängste kennt er nicht. Er baut Vertrauen zu den Spielern auf, tätschelt ihnen die Schultern nach einem verunglückten Pass und spricht ihnen Mut zu. Die Spieler genießen die Aufmunterungen sichtlich und freuen sich diebisch über jedes Lob des Trainers.
Als die Konzentration der Akteure nachlässt, wird zum finalen Spiel angepfiffen. Die Mannschaften werden nach Trikotfarben zusammengestellt und jeder will Erich Rutemöller natürlich sein persönliches Können vor Augen führen. Unter seiner Aura laufen manche Spieler zur Höchstform auf. Die unmöglichsten Pässe gelingen plötzlich und sofort schweift der Blick zu Rutemöller. Hat er es gesehen?
Auch wenn es taktisch gesehen manchmal einem F-Jugend Spiel ähnelt, haben alle auf dem Platz ihren Spass und Herr Rutemöller schaut sich das bunte Treiben von der Seitenlinie aus an. Ab und Zu sieht man ein verschmitztes Lächeln über sein Gesicht huschen.
Text: Julian Zipp