15.12.2010: Video der Woche 46/07

Schweiß, Schmerzen, Erschöpfung. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann einen Marathon. Dazu die Hitze und die berüchtigten Mumuku-Winde mit ihren gefährlichen Böen machen den Ironman auf Hawaii wohl zum härtesten Wettkampf der Welt – was auch Sian Welch und Wendy Ingraham 1997 heftig zu spüren bekamen.
Bei 38 Grad Celsius im Schatten beim abschließenden Marathonlauf kämpften beide um Platz vier und boten einen an Dramatik nicht mehr zu überbietenden Zieleinlauf.
Beide kämpften Meter vor der Ziellinie mit Krämpfen und brachen fast zeitgleich zusammen. Mit eisernem Willen versuchten beide wieder auf die Beine zu kommen, stürzten kurz darauf erneut und konnten sich nur noch krabbelnd ins Ziel retten.
Gründe für diesen Kollaps sind bei der Wasser- und Energiezufuhr zu suchen. Dies sieht auch Dr. Billy Sperlich von der Deutschen Sporthochschule Köln so:
„Bei solchen extremen Belastungen sind Zusammenbrüche meist Folge einer Dehydrierung, was im weitesten Sinne einem Wassermangel entspricht oder sind Auswirkung einer zu hohen Laufintensität. Bei diesem Fall war es wahrscheinlich eine Kombination der beiden Faktoren. Die hohe Intensität führt dann dazu, dass die Kohlenhydratspeicher, die Glykogenspeicher leer sind und somit auch keine Energie mehr über den Fettstoffwechsel gewonnen werden kann. Um dies zu vermeiden, muss man rechtzeitig anfangen Nahrung zu sich zu nehmen und frühzeitig zu trinken. Auch die hohe Luftfeuchtigkeit auf Hawaii, wodurch der Schweiß auf der Haut schlecht verdampft und somit die Körperkerntemperatur ansteigt und der geringe Sonnenschutz bei solch einer Hitze stellen Probleme dar.“
Die Fehler von Sian Welch und Wendy Ingraham, dass sie das Rennen zu schnell angingen, ihren Körper zu spät mit Flüssigkeit und energieliefernder Nahrung versorgten und nicht genug Schutz vor der Sonne hatten, können auch jedem Breitensportler hierzulande passieren.
Zwar gibt es nicht solch extremen Bedingungen, jedoch sollten sich Breitensportler vor einem Lauf ebenfalls gut vorbereiten.
Dr. Billy Sperlich meint: „Ob als Profi oder Breitensportler sollte man vor einem Training oder Wettkampf darauf achten, dass die Glykogenspeicher voll sind. Frühzeitig und ausreichend sollte getrunken werden, auch vor dem Lauf. Bei Hitze sollte man sich so gut es geht vor der Sonne schützen. Diese ganzen Maßnamen nützen jedoch nicht viel, wenn man nicht das richtige Tempo läuft.“
Dass die zwei Athletinnen bei der Siegerehrung schon wieder Laufen und Lachen konnten, ist für ihn kein Wunder. “Bei solchen Läuferinnen ist die Erholungsfähigkeit sehr gut. Durch die Zuführung von Salzen und Zucker läuft der Fettstoffwechsel wieder ab. Jedoch dauert die komplette Erholung Wochen.“
Text: Philipp Kummer