15.12.2010: „Das erste Mal vom 10er fand ich Ultra Cool“

Im Interview berichtete uns der 22 jährige Doppelweltmeister Christian Guth über den Funsport Splashdiving und wie er selbst zu dem Besten seiner Zunft geworden ist.
Erst einmal Danke dass Sie sich für das Interview bereitgestellt haben und herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Titelverteidigung.
Dankeschön
Wie sind Sie überhaupt zu diesem etwas ungewöhnlichen Sport gekommen?
Das ganze hat relativ früh angefangen. Ich komme aus einer großen Turnerfamilie, das heißt Saltos und Schrauben wurden mir praktisch mit auf den Weg gegeben.
Sie waren ja auch schon bayrischer Meister im Turnen
Ja das stimmt, das war 2001, also schon eine Weile her. Man überlegt sich dann wo kann man hin, wo kann man besser trainieren als in der Halle. Und da war Wasser die ideale Lösung. Durch Wasser fällt man durch, es hat zwar eine gewisse Oberflächenspannung, aber die durchbricht man leicht. Das ist anders als auf einer Matte. Angefangen haben wir vom 1er und 3er, aber dann reizt natürlich der 10 Meter Turm.
Wann sind Sie denn das erste Mal von 10er gesprungen?
Das erste Mal vom 10er fand ich Ultra Cool, da war ich sechs Jahre alt, seitdem hab ich soviel Spaß gehabt, dass ich nicht mehr aufhören konnte.
Sie springen aber außerdem aus noch größeren Höhen, wie kam es dazu?
Das ist ein kleines "Laster" von mir. Ich mache seit ein paar Jahren Klippenspringen, das läuft auch auf Wettkampfbasis. Man springt aus bis zu 28 Metern Höhe mit Saltos und Schrauben ins Wasser.
Waren die 28 Meter das höchste aus dem Sie bisher gesprungen sind?
Nein ich bin einmal aus 32,5 Metern gesprungen, aber das ging nur gerade runter mit den Füßen zuerst.
Ist das nicht sehr gefährlich?
Solange man gerade reinkommt ist das kein Problem, dann spürt man es nur unter den Füßen. Ansonsten kann es lebensgefährlich sein. Allerdings wissen alle die da mitmachen wo die Gefahren liegen und sind vor einem Sprung hochkonzentriert. Jeder weiß worauf es ankommt. Anders als zum Beispiel beim Fußball passieren Verletzungen nur aus eigenen Fehlern.
Wie ist das beim Splashdiven, kommt es da häufig zu Verletzungen?
Beim splashen haben wir ganz ganz selten Verletzungen. Es machen nur Leute mit, die diese Sportart beherrschen. Wir gehen selber auch als Vorbilder voran und lassen Anfänger erstmal vom 1er oder 3er springen. Das ist schon sehr wichtig, denn eine Arschbombe vom 10er tut höllisch weh wenn man nicht weiß was man machen muss.
Wie kann man sich das Training vorstellen?
Wir sind eine Trend- und Funsportart, regelmäßiges Training haben wir nicht. Wenn schönes Wetter ist und ich gerade Lust habe rufe ich meine Kumpels an und wir gehen zusammen ins Schwimmbad. Da gehen wir automatisch direkt zum Sprungturm und springen fast die ganze Zeit. Wir pushen uns dann gegenseitig und so entstehen auch neue Sprungvarianten.
Gibt es außer der WM noch andere Wettkämpfe?
Es gibt vor der WM ein paar Ausscheidungskämpfe und Showspringen zwischen den verschiedenen Nationalkadern.
In welchen anderen Ländern wird das Splashdiven noch betrieben?
Außer der deutschen Nationalmannschaft gibt es noch Teams aus Holland, Österreich, Schweiz, Australien und den Philippinen. Es würden noch mehr mitmachen wenn der Aufwand nicht so groß wäre. Wir hatten mal einen Springer aus Nigeria mit dabei, aber kostentechnisch hat es sich nicht gerechnet. Es zahlt keiner mal schnell 2000 Euro für einen Wettkampf.
Muss alles aus eigener Tasche bezahlt werden oder gibt es auch Sponsoren?
Für die Nationalmannschaften ist gesorgt. Wir werden von Mentos und Arena gesponsert. Die Landeskader sind in Vereinen organisiert, das heißt sie zahlen Mitgliedsbeiträge und so läppert sich das Geld für zum Beispiel die Fahrten zusammen.
Die Landeskader sind zum Teil den jeweiligen Schwimmverbänden untergeordnet, die Nationalmannschaft dem DSV aber nicht, wie kommt das?
Die vom DSV nehmen uns nicht so richtig ernst, dabei sagt jeder der uns sieht dass wir die Qualität hätten auch beim Turmspringen mitzumachen. Es gibt auch ein paar Turmspringer die bei uns mitmachen, aber das sind nicht viele. In der Regel machen wir unsere Sache und die ihre. Das ist ein bisschen wie bei den Radfahrern, da setzt sich auch kein Rennfahrer auf ein BMX-Bike und macht mal eben ein paar Tricks.
Zum Schluss noch eine Frage zu Ihrem Spitznamen. Sie werden oft Elvis genannt, woher kommt dieser Name?
Den Namen hat mir mal mein Trainer vor ein paar Jahren gegeben als ich für das Klippenspringen trainiert habe. Wenn ich auf dem 1er Springe korrigiere ich meinen Körper und wackle mit der Hüfte. Und es gibt wohl einen Film wo Elvis Presley einen Klippensprung macht und genau so wackelt. Seitdem nennt er mich so.
Vielen Dank für das Gespräch
Hier gibts ein Paar der besten Sprünge im Video der Woche

Text: Sebastian Rösner