Du bist hier: sportalis Köln  >  Artikel  >  Aufgepasst, die EM ist jetzt in Deutschland - im Kickern!

Anzeige

15.12.2010: Die offene Players4Players Europameisterschaft findet am 15.-18.05.2008 in Gäufelden statt

Aufgepasst, die EM ist jetzt in Deutschland - im Kickern!

Ja, du hast richtig gelesen! Auch im Kickern gibt es Welt- und Europameisterschaften. Letzteres ist zur Zeit nicht weit weg: In Gäufelden (nahe Stuttgart) findet das offene EM-Turnier statt. Das heisst, jeder Europäer kann sich für das Turnier anmelden und sein Glück gegen die Profis herausfordern. Doch ob das allein gegen Profi-Kickerer reicht, ist zu bezweifeln, die Ballvirtuosen am Kickertisch machen den Titel meist unter sich aus...

Eng gedängt und mucksmäuschenstill steht eine Menschentraube um den Kickertisch: Vier Profi-Spieler haben ihre Stangengriffe getapt und tragen Handschuhe, um besseren Halt zu bekommen. Denn hier wird Reaktion und Präzision groß geschrieben. Ein Spieler klemmt den Ball mit seinem Mittelstürmer fest, die gegnerischen Verteidiger verstellen den direkten Weg zum Tor. Mit einer blitzschnellen Bewegung schiebt er den Ball etwas zur Seite und knallt ihn diagonal ins Gehäuse – die Schusslinie des Balls lässt sich nur erahnen – und die Menge tobt! Die EM 2008 hat begonnen.

Viele kennen Kicker, auch Tischfußball genannt, nur von der Bar um die Ecke – dabei ist die Koordination mit den Stangen weitaus mehr, als nur ein Kneipensport. Gut aufgestellt ist die Kicker-Szene durch die Verbände Deutscher Tischfußballbund (DTFB) und Players4Players (P4P), die jährlich mehrere Turniere in ganz Deutschland veranstalten. Heinrich Opgenoorth, der im Namen des Verbands Players4Players mit vielen anderen ehrenamtlichen Helfern die zur Zeit laufende EM mitorganisiert, kennt die bunte Truppe der Kickerprofis ausgezeichnet: "Egal ob dick oder dünn, Raucher oder Nicht-Raucher, Mann oder Frau, das besondere an dieser Sportart ist: Jeder kann sie auf hohem Niveau betreiben. Das kann man dann auch während den Turnieren beobachten: Hier treten die verschiedensten Individualisten gegeneinander an, da macht es Spaß, zuzuschauen."

Die EM kann also in Gäufelden bewundert werden, doch ist es nicht die einzige EM. Das klingt komisch – ist aber so: Beide Verbände, sowohl P4P, als auch der DTFB veranstalten eine EM, dabei ist nur die P4P-EM für jedermann. Deshalb lautet auch der offizielle Titel des Turniers "Offene P4P Europameisterschaft". Diese Sachlage ist irritierend und unnötig, doch zur Zeit ist wohl keine Einigung in Sicht.

Frederic Collignon - der Dominator mit dem Milchgesicht

Topfavorit ist auch dieses Jahr wieder der Belgier Frederic Collignon. Vor allem im Sturm ist der 33-Jährige mit dem Milchgesicht eiskalt. Seit mehreren Jahren gewinnt der Ausnahmespieler jedes Turnier. Viele bewundern den "Michael Schumacher" des Tischfußballs und fragen sich, wer ihn überhaupt stoppen kann – so auch der Kölner Kicker-Profi Dominik Verlage: "Es gibt beim Kickern verschiedene Tischmodelle und daher auch Turniere auf unterschiedlichen Tischen, die Spielweise unterscheidet sich meist massiv von Tisch zu Tisch. Daher ist es üblich, sich auf einen Tisch zu spezialisieren. Das Besondere an Frederic Collignon ist jedoch, dass er auf jedem Tisch gewinnt, und das nun schon ununterbrochen seit vielen Jahren, egal ob nun im Einzel oder im Doppel." Manch einer behauptet, er sei zur Zeit sportartenübergreifend der erfolgreichste Sportler der Welt.

Trotzdem werden neben Dominik Verlage viele andere Spieler, darunter auch Topspieler wie Thierry Müller, Frank Brauns und sein ewiger Rivale Jamal Allalou, versuchen, den Meister vom Thron zu stoßen. Denn auch bei den erwarteten 500 bis 1.000 Spielern gilt der alte Spruch: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Aber was ist überhaupt ein Kicker-Profi, wie wird man einer und ist es überhaupt möglich, diesen Sport professionell zu betreiben?

Fragen über Fragen, Dominik Verlage schafft Klarheit in Bezug auf:

  • Was ist ein Kicker-Profi und wie werde ich einer?

"Jeder Spieler kann auf den offiziellen Turnieren Punkte sammeln. Ab einer bestimmten Punktzahl erhält man eine Klassifizierung, dabei kann man auf-, aber auch absteigen. Unterteilt wird in Neuling-, Amateur-, Master- und Elite-Spieler. Neulinge sind alle Spieler, die unter acht Turniere gespielt haben, anschließend steigen sie zum Amateur auf. Ein erneuter Abstieg zum Neuling ist nicht möglich. Unterschieden wird ausserdem noch zwischen Einzel und Doppel. Man kann durchaus zwei unterschiedliche Ränge in den beiden Disziplinen belegen, so wie ich zur Zeit: Im Einzel besitze ich die Klassifizierung Amateur, im Doppel bin ich zum Master aufgestiegen."

  • Verdient Profi-Tischfußball überhaupt das Etikett "professionell"?

"Der Begriff "professionell" ist irgendwo auch immer Auslegungssache. Rein finanziell gesehen kann niemand, selbst nicht Frederic Collignon, von dieser Randsportart leben. Die EM 2008 gehört mit einem Preisgeld von 900 Euro für den ersten Platz im offenen Einzel oder Doppel schon zu den best dotierten Turnieren in Europa, doch zum Leben reicht selbst das sicherlich nicht. Denn man muss schließlich auch die vielen Nebenkosten beachten: Anreise, Unterkunft und Ausstattung sind nur einige Faktoren, die es zu begleichen gilt. Wenn man aber den Trainingsaufwand betrachtet, wird die Sportart durchaus professionell betrieben. Man muss schon sechs Stunden am Tag trainieren, um auf einem offiziellen Turnier bestehen zu können. Da niemand Tischfußball hauptberuflich ausüben kann, stellt sich bei den meisten immer die Frage, ob man ausreichend trainiert hat, nicht etwa, ob das Talent reicht. Denn Training und Automatismen sind hier das A und O. Ich bin hauptberuflich Jugendsozialarbeiter, ob ich genügend Zeit zum Trainieren gefunden habe, wird sich nun zeigen."

Wer mehr wissen möchte über diese Sportart, der kann in Zukunft bei sportalis.de erfahren, wie man zum Profi wird: Alle Tipps und Tricks, verschiedene Schussvarianten, gute Trainingsorte und alles zur EM könnt ihr hier in den nächsten Wochen nachgelesen.

Login                    Passwort