Du bist hier: sportalis Köln  >  Artikel  >  After work biking

14.03.2007: Fahrrad statt Fernsehsessel

After work biking

Man kennt das Gefühl:sich nach der Arbeit geschafft in den heimischen Sessel fallen zu lassen. Endlich kann man entspannen. Ganz anders denken die Kölner "After-Work-Biker" Wie sich das auswirkt lest ihr

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Unterwegs auf seinem Fahrrad überlässt er nichts dem Zufall. Gegen Fahrtwind eine zweite Brille, gegen Schlaglöcher zwei Federgabeln und gegen Durststrecken immer einen lockeren Spruch auf den Lippen: „Frisch auf Tour, Erholung pur!“

Die Rede ist von Mirko Musler (57), einem energiegeladenen Bike-Fan aus Bergheim. Nach Feierabend geht´s für ihn erst richtig los.

Schnell schließt er noch die Schnalle seines knallroten Helms, schwingt sich auf den antiken Sattel seines 2300-Euro-Mountainbikes und nimmt zügig Fahrt auf. Es ist Muslers 213. Tour als Leiter des „After-Work-Biking“ - dem neuesten Trend unter gestressten Großstädtern.

In seinem Windschatten formiert sich langsam aber sicher die zwölfköpfige Gruppe aus gleich gesinnten Frischluftjüngern, an deren Ende ein braungebrannter Südländer mit signalfarbener Warnweste ins Auge sticht. Michele Avezzano (58) hat wie immer alles im Blick: „Einer von uns ist immer das Schlusslicht und hält die Herde zusammen.“ Er kommt dabei trotzdem voll auf seine Kosten, denn wie seine Mitfahrer schätzt der Deutsch-Italiener das Gemeinschaftserlebnis beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Im Kreisverband Köln werden monatlich bis zu 25 Radtouren angeboten, wobei mit Titeln wie “Nippes per Velo” oder “Tacho zweiundzwanzig” versucht wird ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Getreu diesem Motto gleitet die Gruppe ohne sichtbare Anstrengung weiter am Rheinufer entlang. Der Treffpunkt am Kölner Pegel liegt schon weit zurück, der Fahrradweg schlängelt sich entlang des Flusses in Richtung Leverkusen. Langsam aber sicher bilden sich kleine Gesprächsrunden, entspannt wird vor sich hin geschwatzt. Doch plötzlich ein Zwischensprint. Unbemerkt verschwindet Musler am Horizont, die Verfolger bleiben auf der Strecke und bleiben ihrem Tempo treu. Ist das die Entscheidung der Feierabendtour?

Kurze Zeit später klärt sich die Situation auf. Am Wegesrand kniet der Ausreißer mit gezückter Videokamera neben seinem Rad. Der Chef dokumentiert lückenlos, während die Gruppe vorbeirauscht. In Köln Langel hat sich das Feld schließlich wieder zusammengefunden, gemeinsam wird auf die andere Rheinseite übergesetzt. An Bord der Fähre nach Leverkusen fühlt man sich an die Nordsee versetzt - nur kreischende Möwen und Sandstrand fehlen noch zur perfekten Illusion. Vorbei an den Bayerwerken geht es danach rechtsrheinisch wieder in Richtung Köln und ein wichtiger Bestandteil einer jeden Feierabendtour wird angesteuert.

„Die Einkehr gehört einfach dazu. So ein leckeres Kölsch in gemütlicher Runde ist schon was Feines“ betont Klaus Gierden (65). Nach nunmehr 35,8 km ist schließlich der Biergarten des Mülheimer Bootshauses erreicht. Mit Currywurst, Pommes und einem kühlen Kölsch klingt der gemeinsame Abend bei untergehender Sonne aus. Es bleibt genug Zeit für heitere Gespräche, die von globalen Energieproblemen über Lebensweisheiten bis hin zu den letzten gemeinsamen Radtouren reichen. „Wohin es geht wird oft spontan festgelegt, es gibt aber auch längere Fahrten und Reisen ins Ausland die größerer Planung bedürfen“, berichtet Musler, seit zehn Jahren schon rund 500 Mal ehrenamtlich für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) unterwegs. Der seit 1979 bestehende Club führt bundesweit Radtouren durch und ist auch verkehrspolitisch aktiv. Mit über 110.000 landesweiten Mitgliedern hat er sich mittlerweile zum größten europäischen Radfahrerverband gemausert. Für Mirko Musler ist sein Engagement „nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ich möchte der Gesellschaft etwas von dem zurückgeben, was sie mir ermöglicht hat. Bei uns ist jeder herzlich willkommen.“ Er selbst schwingt sich fast täglich auf den Sattel und kommt dabei auf ca. 5000 km pro Jahr. Für Ihn Grund genug sein Motto gegebenenfalls zu erweitern: „Frisch auf Tour, Erholung pur – und dann Badewanne nur!“, sagt der sichtlich erschöpfte Musler mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.

Auch heute wird nicht einfach nur drauflosgerdelt: Die folgenden 44 km stehen für Musler, Avezzano und Co. nun ganz im Zeichen der feierabendlichen Erholung auf dem Rad.

 
Text: Thorsten Küssner, Michael Lemanczyk, Marc Strasskewitz

 
www.adfc-koeln.de

Text: Spoho

Login                    Passwort